Linke in den USA bewaffnen sich massiv

Seit der tödlichen Erschießung von Alex Pretti durch Bundesagenten bei einem Einsatz in Minneapolis hat sich in den USA eine bemerkenswerte politische Reaktion abgezeichnet: linke und liberal ausgerichtete Waffenbesitzgruppen erleben einen deutlichen Zulauf, und immer mehr Menschen aus traditionell nicht-bewaffneten Milieus suchen Schulung und Selbstverteidigung. Beobachter sehen darin eine neue Dynamik in der Sicherheits- und Waffenrechtsdebatte.

Der Vorfall um Pretti, einen 37-jährigen Krankenpfleger mit gültiger Erlaubnis zum verdeckten Tragen einer Schusswaffe, sorgte bereits im Januar für landesweite Schlagzeilen und politischen Zündstoff. Bei einer Bundesaktion kam es am 24. Januar 2026 zu einer Konfrontation mit Beamten des Department of Homeland Security (DHS), bei der Pretti tödlich getroffen wurde. Die Umstände des Schusswaffeneinsatzes sind weiterhin umstritten: Videoaufnahmen und Berichte unabhängiger Beobachter widersprechen der offiziellen Darstellung, wonach Pretti eine unmittelbare Bedrohung dargestellt habe – in den Aufnahmen soll er keine Waffe in der Hand gehalten haben, als er von Bundesbeamten zu Boden gebracht wurde.

Starker Zuwachs bei linken Schützenvereinen

Angesichts dieser Entwicklung hat sich das politische Klima für Waffenbesitz auch auf der linken Seite des politischen Spektrums verändert. Mehrere linke Waffen- und Selbstverteidigungsgruppen melden einen sprunghaften Anstieg an Mitgliedschaften und Anmeldungen zu Schieß- und Sicherheitstrainings. Laut Berichten sind Wochenendkurse bei L.A. Progressive Shooters bereits bis in den März ausgebucht, und auch der Pink Pistols-Ableger in den Twin Cities – ein Verein, der sich gezielt an LGBTQ-Personen richtet – meldet einen Anstieg von durchschnittlich fünf auf 25 Anmeldungen pro Kurs.

Weitere Organisationen wie der Liberal Gun Club und die National African American Gun Association (NAGA) bestätigen wachsende Mitgliederzahlen. Aktivisten erklären, dass der verstärkte Einsatz bewaffneter Bundeskräfte sowie die Angst vor staatlicher Übermacht viele Menschen darin bestärken, sich eigenverantwortlich zu schützen, insbesondere in urbanen Zentren und Minderheitengemeinschaften.

Politische Debatte aufgeheizt

Präsident Donald Trump hatte in Reaktion auf Prettis Tod betont, dass Waffenbesitzer Bundesbeamte nicht behindern dürften – eine Aussage, die sowohl bei Gegnern als auch bei Unterstützern auf Kritik stieß. Einige konservative Kommentatoren weisen darauf hin, dass sich Trump mit seiner harten Linie gegen den Waffenbesitz widersprüchlich verhalte.

Zugleich breitet sich die Debatte in einem ungewöhnlichen politischen Spannungsfeld aus: Linke Gruppen, die traditionell restriktivere Waffengesetze befürwortet haben, wenden sich nun vermehrt dem Recht auf Waffenbesitz im Sinne des Second Amendment zu – nicht zuletzt als Reaktion auf wahrgenommene staatliche Übergriffe und Sicherheitsängste.

Hintergrund und laufende Ermittlungen

Der Tod von Pretti hat nicht nur politische Debatten entfacht, sondern auch rechtliche Nachspiele: Das US-Justizministerium und das FBI untersuchen derzeit den Fall, um mögliche Verletzungen verfassungsmäßiger Rechte zu klären. Die örtlichen Behörden prüfen, ob die getroffenen Maßnahmen verhältnismäßig waren.

Unabhängige Recherchen identifizierten zwischenzeitlich auch die an der Schießerei beteiligten Beamten. Laut Regierungsunterlagen handelt es sich um zwei Mitarbeiter der Customs and Border Protection und der Border Patrol, die in eine spezielle Einwanderungseinsatz-Initiative eingebunden waren.

Der Fall bleibt umstritten, und seine Nachwirkungen beeinflussen die politische Landschaft in den USA spürbar – es geht längst nicht mehr nur um Einwanderungskontrollen oder Polizeigewalt, sondern um Grundsatzfragen von Bürgerrechten, Sicherheit und staatlicher Legitimation.

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