Berlin. Eine Explosion hat am frühen Dienstagmorgen den Berliner Stadtteil Kreuzberg aufgeschreckt und erneut die Eskalation innerhalb der organisierten Kriminalität deutlich gemacht. Unbekannte Täter warfen nach bisherigen Erkenntnissen eine Handgranate in einen Club – ein Vorgehen, das selbst erfahrene Ermittler alarmiert.
Nach Angaben der Polizei ereignete sich der Angriff gegen 5 Uhr morgens an einem Club in der Audre-Lorde-Straße. Zwei vermummte Personen sollen zunächst versucht haben, die massive Fensterfront des Gebäudes einzuschlagen. Als dies nicht sofort gelang, rissen sie die Scheibe aus ihrer Verankerung. Durch die entstandene Öffnung warfen sie einen Gegenstand in den Innenraum, der kurz darauf detonierte. Nach Informationen aus Ermittlerkreisen handelte es sich bei dem Sprengkörper um eine scharfe Handgranate.
Zum Zeitpunkt des Anschlags war der „Sinatra Club 04“ geschlossen und leer. Verletzt wurde niemand, was die Polizei als glücklichen Umstand bezeichnet. Die Wucht der Explosion richtete jedoch erhebliche Schäden an. Der Eingangsbereich war derart zerstört, dass zunächst der Eindruck entstand, es sei mit Schusswaffen auf das Gebäude gefeuert worden. Tatsächlich, so Polizeisprecher Martin Halweg, gehen sämtliche Schäden auf die Detonation im Inneren zurück.
Der Tatort wurde weiträumig abgesperrt. Kriminaltechniker des Landeskriminalamts sicherten noch am Morgen Spuren, um Hinweise auf die Täter und das verwendete Sprengmittel zu gewinnen. Auch Sprengstoffexperten waren im Einsatz. Die Ermittlungen laufen in alle Richtungen, ein konkretes Motiv ist bislang nicht bekannt.
Aus Ermittlerkreisen heißt es jedoch, der Angriff passe in ein Muster zunehmender Gewalt innerhalb rivalisierender krimineller Strukturen. Die Verwendung einer Handgranate in einem innerstädtischen Gebiet markiere eine neue Eskalationsstufe. Ein Beamter sprach davon, dass der Machtkampf innerhalb der organisierten Kriminalität „ein neues Level“ erreicht habe.
Ob der Club gezielt ausgewählt wurde oder ob der Anschlag als Machtdemonstration gedacht war, ist derzeit Gegenstand der Ermittlungen. Die Polizei prüft mögliche Verbindungen zu bekannten Gruppierungen und früheren Gewalttaten in der Hauptstadt. Festnahmen gab es bislang nicht.


