EU geht gegen Ewigkeitschemikalien vor

Die Europäische Union verschärft ihren Kurs gegen sogenannte Ewigkeitschemikalien und zieht beim Trinkwasserschutz die Zügel an. Seit dem 12. Januar sind neue EU-weite Vorgaben offiziell in Kraft, die erstmals eine verpflichtende und systematische Überwachung von PFAS im Trinkwasser vorschreiben. Ziel ist es, wachsende Gesundheitsrisiken einzudämmen und europaweit ein einheitliches Sicherheitsniveau für Wasser zum menschlichen Gebrauch zu schaffen.

Kern der Neuregelung ist die überarbeitete Trinkwasserrichtlinie. Sie verpflichtet alle Mitgliedstaaten, PFAS-Belastungen regelmäßig zu messen und zu überprüfen, ob die festgelegten Grenzwerte eingehalten werden. Damit wird erstmals klar definiert, ab welcher Konzentration Trinkwasser nicht mehr als sicher gilt. Die Messergebnisse müssen an die Europäische Kommission gemeldet werden, die von einem vereinfachten Meldesystem spricht, das im Vergleich zur bisherigen Richtlinie weniger Bürokratie verursacht und dennoch aussagekräftige Daten liefert.

PFAS, kurz für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, gelten als besonders problematisch, weil sie extrem langlebig sind. Die synthetischen Chemikalien werden seit Jahrzehnten in zahlreichen Alltagsprodukten eingesetzt, etwa in wasserabweisenden Textilien, Löschschaum oder beschichteten Kochutensilien. Inzwischen sind sie nahezu überall nachweisbar, selbst in entlegenen Regionen der Erde und im menschlichen Blut. Ihr Ruf als „Ewigkeitschemikalien“ rührt daher, dass sie kaum abgebaut werden und sich in Umwelt und Körper anreichern können.

Überschreiten Messungen die neuen Grenzwerte, sind die Mitgliedstaaten zum Handeln verpflichtet. Die EU sieht dabei ein ganzes Bündel möglicher Maßnahmen vor. Dazu zählen das Schließen belasteter Brunnen, zusätzliche Reinigungsschritte bei der Trinkwasseraufbereitung oder die zeitweise Einschränkung der Nutzung bestimmter Wasservorkommen. Gleichzeitig müssen die Behörden die Bevölkerung informieren und Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit ergreifen, solange die Belastung anhält.

Die neuen Vorgaben fügen sich in einen breiteren europäischen Trend ein. Erst kürzlich hatte Frankreich den Verkauf, die Produktion und die Einfuhr von Produkten mit PFAS verboten, sofern bereits Alternativen existieren. Ursprünglich sollten auch beschichtete Antihaftpfannen unter das Verbot fallen, diese Regelung wurde jedoch nach intensiver Lobbyarbeit der Industrie wieder gestrichen. Kritiker sehen darin ein Beispiel für den politischen Druck, der den Umgang mit den Chemikalien weiterhin prägt.

EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall spricht dennoch von einem entscheidenden Schritt. Die Belastung des Trinkwassers mit PFAS sei in ganz Europa eine wachsende Sorge. Mit harmonisierten Grenzwerten und einer verpflichtenden Überwachung hätten die Mitgliedstaaten nun erstmals ein klares Regelwerk und wirksame Instrumente in der Hand, um die Chemikalien frühzeitig zu erkennen, gezielt zu bekämpfen und die öffentliche Gesundheit besser zu schützen.

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