Estland meldet Eindringen von drei russischen Kampfjets

Ein gefährlicher Zwischenfall über der Ostsee sorgt für neue Spannungen zwischen Russland und dem Westen: Am Freitagmorgen drangen drei russische Kampfjets des Typs MiG-31 unerlaubt in den estnischen Luftraum ein. Laut estnischer Regierung hielten sie sich rund zwölf Minuten in der Nähe der Insel Vaindloo auf, ohne Flugplan, mit abgeschalteter Kennung und ohne Funkkontakt zur Flugsicherung.

Estlands Regierungschef Kristen Michal sprach von einer „vollkommen inakzeptablen Verletzung“ und kündigte an, die Nato nach Artikel 4 ihres Vertrags zu Konsultationen einzuberufen. Dieser Artikel erlaubt Beratungen, wenn ein Mitgliedsstaat seine Sicherheit bedroht sieht. Außenminister Margus Tsahkna sprach von einer „beispiellos dreisten Provokation“. In diesem Jahr sei es bereits die vierte Luftraumverletzung durch Russland.

Nato reagiert sofort – Kampfjets abgefangen

Eine Sprecherin der Nato bestätigte den Vorfall und bezeichnete ihn als weiteres Beispiel für Russlands „rücksichtsloses Verhalten“. Bündnisflugzeuge seien sofort aufgestiegen, hätten die russischen Jets abgefangen und zum Rückzug gezwungen. Nato-Generalsekretär Mark Rutte sprach von einer „schnellen und entschlossenen Reaktion“.

Auch Polen meldete am Freitag russische Kampfjets, die über der Petrobaltic-Ölplattform in der polnischen Wirtschaftszone der Ostsee gesichtet wurden. Die Luftwaffe und die bodengestützte Luftabwehr wurden in höchste Bereitschaft versetzt.

Scharfe internationale Reaktionen

Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas nannte den Vorfall eine „äußerst gefährliche Provokation“ und warnte, dass Putin die Entschlossenheit des Westens teste. Deutschland, vertreten durch Außenminister Johann Wadephul, verurteilte die Verletzung des estnischen Luftraums als „inakzeptabel“ und versprach Tallinn volle Solidarität.

Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte eine entschlossene Antwort: „Das sind keine Zufälle, sondern eine systematische Kampagne Russlands gegen Europa und die Nato.“ Er verlangte härtere Sanktionen und zusätzliche Militärhilfe.

US-Präsident Donald Trump zeigte sich besorgt: „Das gefällt mir nicht. Ich mag es nicht, wenn so etwas passiert. Das könnte großen Ärger geben.“ Er kündigte an, sich über den Vorfall informieren zu lassen.

Moskau weist Vorwürfe zurück

Das russische Verteidigungsministerium bestreitet die Luftraumverletzung. Die Jets hätten sich „planmäßig“ von Karelien nach Kaliningrad bewegt und dabei internationale Vorschriften eingehalten. Die Darstellung der Nato, so Moskau, sei unbegründet.

Zunehmende Eskalationsgefahr in der Region

Der Vorfall reiht sich ein in eine Serie von Grenzverletzungen. Bereits in der vergangenen Woche waren russische Drohnen in den polnischen Nato-Luftraum eingedrungen und dort teilweise abgeschossen worden. Experten warnen, dass solche Provokationen das Risiko einer direkten Konfrontation zwischen Nato und Russland weiter erhöhen.

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