China provoziert mit riesigem Marinemanöver

China hat nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters die wohl umfangreichste maritime Militärübung seiner Geschichte gestartet – ohne jede vorherige öffentliche Ankündigung aus Peking. Die Dimension der Großoperation versetzt die Nachbarstaaten Japan und Taiwan in höchste Alarmbereitschaft und verschärft die ohnehin angespannte Lage in Ostasien.

Massive Präsenz auf See – über hundert Schiffe unterwegs

Nach Angaben mehrerer mit der Angelegenheit vertrauter Quellen patrouillieren zeitweise mehr als hundert Schiffe der chinesischen Marine und der Küstenwache im ostasiatischen Raum. Die Einsatzgebiete erstrecken sich vom südlichen Gelben Meer über das Ostchinesische Meer bis in das Südchinesische Meer – und sogar weit hinaus in den Pazifik. Eine geografische Ausweitung, die Beobachter als »beispiellos« bezeichnen.

Der Umfang übertrifft demnach sogar die großflächigen Flottenbewegungen vom vergangenen Dezember, die Taiwan damals zur Erhöhung seiner Alarmstufe veranlasst hatten.

Diplomatische Spannungen verschärfen das Risiko

Die Manöver fallen in eine Phase wachsender Konflikte. Taiwan, das China als abtrünniges Territorium betrachtet, setzt verstärkt auf Abschreckung. Präsident Lai Ching-te kündigte kürzlich zusätzliche Verteidigungsausgaben von 40 Milliarden US-Dollar an – ein Schritt, den Peking als Provokation wertet.

Auch zu Japan ist die Lage angespannt. Eine Äußerung der neuen japanischen Premierministerin Sanae Takaichi, wonach ein Angriff Chinas auf Taiwan eine militärische Reaktion Japans nach sich ziehen könnte, löste in Peking scharfe Proteste aus. In der Folge wurde der japanische Botschafter einbestellt, und China erhöhte seine Aktivitäten auf See deutlich.

Ein hochrangiger Beamter sagte Reuters, die aktuelle Verlegung gehe „weit über legitime Verteidigungsbedürfnisse hinaus“ und berge „erhebliche Risiken für alle Seiten“. China scheine bewusst die Reaktionen in den Hauptstädten der Region zu testen.

Taiwan überwacht die Lage in Echtzeit

Taiwan erklärte, man verfolge die Situation in der Taiwanstraße und im weiteren Umfeld engmaschig. Präsidialamtssprecherin Karen Kuo betonte, die nationale Sicherheit sei gewährleistet – Sorgen um eine akute Bedrohung bestünden derzeit nicht.

Offiziell bestätigt hat China die Operationen bisher nicht. Das letzte klar benannte Großmanöver rund um Taiwan trug im April den Namen „Strait Thunder 2025“. Auch die massiven Marinebewegungen im vergangenen Dezember waren von Peking nie öffentlich kommentiert worden.

Ein Signal, das weit über die Region hinausreicht

Militärexperten werten die jüngste Machtdemonstration als geopolitisches Signal an die USA, Japan und Taiwan: China ist bereit, seine maritime Präsenz massiv auszuweiten – auch ohne diplomatische Rücksichtnahme oder transparente Kommunikation. Das Manöver zeigt, wie fragil die Sicherheitslage im westlichen Pazifik geworden ist.

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