Im milliardenschweren Wettlauf um die militärische Satellitenkommunikation der Zukunft formiert sich neue Konkurrenz für Airbus: Der Rüstungskonzern Rheinmetall und der Bremer Satellitenhersteller OHB wollen offenbar gemeinsam das bislang größte Satellitenprojekt der Bundeswehr angreifen. Damit spitzt sich der Wettbewerb um eines der strategisch wichtigsten Rüstungs- und Raumfahrtvorhaben Deutschlands weiter zu.
Nach Informationen von Handelsblatt und Financial Times planen Rheinmetall und OHB eine Kooperation zur Entwicklung eines satellitengestützten Kommunikationsnetzes für die Bundeswehr. Ziel ist eine gemeinsame Bewerbung auf das Projekt „SATCOMBw Stufe 4“. Die Gespräche zwischen beiden Unternehmen befinden sich demnach noch in einem frühen Stadium, gelten in der Branche jedoch als Signal für eine neue Machtkonstellation im deutschen Militär-Space-Sektor.
Das Projekt SATCOMBw Stufe 4 ist das Herzstück der geplanten deutschen Aufrüstung im Weltraum. Verteidigungsminister Boris Pistorius hatte im vergangenen Jahr angekündigt, ein militärisches Kommunikationsnetz aus mindestens 100 Satelliten in einer niedrigen Erdumlaufbahn aufbauen zu wollen. Der geschätzte Auftragswert liegt bei acht bis zehn Milliarden Euro. Insgesamt plant Deutschland bis zum Ende des Jahrzehnts Investitionen von rund 35 Milliarden Euro in militärische Weltraumtechnologien.
Technologisch markiert SATCOMBw Stufe 4 einen Paradigmenwechsel. Anders als das bisherige System setzt die Bundeswehr künftig nicht mehr auf wenige geostationäre Satelliten in rund 36.000 Kilometern Höhe, sondern auf eine dichte Konstellation von Satelliten in niedrigen Orbits von wenigen hundert Kilometern. Diese Architektur verspricht deutlich geringere Signalverzögerungen, höhere Ausfallsicherheit und größere Flexibilität. Das Konzept ähnelt damit stark dem kommerziellen Satellitennetzwerk Starlink des US-Unternehmens SpaceX. Nach aktuellen Planungen soll das neue System bis spätestens 2029 einsatzbereit sein.
Mit ihrem Vorstoß würden Rheinmetall und OHB direkt gegen Airbus antreten. Der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern gilt bislang als Platzhirsch im Bereich militärischer Satellitenkommunikation. Erst im Sommer 2024 hatte Airbus den Hauptauftrag für SATCOMBw Stufe 3 erhalten. Dieser umfasst die Entwicklung und den Betrieb von zwei neuen geostationären Kommunikationssatelliten, die laut Bundesverteidigungsministerium ab 2027 voll betriebsfähig sein sollen.
Die mögliche Allianz zwischen Rheinmetall und OHB könnte den Wettbewerb nun deutlich verschärfen. Rheinmetall bringt umfangreiche Erfahrung in militärischen Systemen, Integration und Verteidigungstechnologie ein, während OHB als einer der führenden europäischen Satellitenbauer gilt. Branchenbeobachter sehen darin eine strategische Antwort auf Airbus’ dominante Stellung – und ein Zeichen dafür, dass Deutschland seine militärische Raumfahrt breiter aufstellen will.
Für die Bundeswehr geht es bei SATCOMBw Stufe 4 nicht nur um moderne Kommunikation, sondern um strategische Unabhängigkeit, Resilienz im Krisenfall und die Fähigkeit, militärische Operationen auch unter Bedingungen hybrider Kriegsführung abzusichern. Der Ausgang des Wettbewerbs dürfte deshalb weit über die Industrie hinaus politische und sicherheitspolitische Signalwirkung entfalten.


