Dollar verfällt immer weiter

Der US-Dollar gerät an den Finanzmärkten zunehmend unter Druck – mit spürbaren Folgen für die Weltwirtschaft. Die amerikanische Währung hat ihre Abwertung zuletzt deutlich beschleunigt und verliert nach Einschätzung von Experten immer stärker an Vertrauen. Für exportorientierte Volkswirtschaften wie Deutschland wird diese Entwicklung zum ernsthaften Problem.

Am Devisenmarkt kostet ein Euro inzwischen mehr als 1,18 US-Dollar, zeitweise kletterte der Kurs zu Wochenbeginn sogar auf knapp über 1,19 Dollar. Damit nähert sich der Euro seinem bisherigen Jahreshoch 2025. Was für Reisende attraktiv klingt, sorgt in den Chefetagen der Industrie und bei Währungsexperten für Alarmstimmung: Nicht der Euro wird stärker – vielmehr verliert der Dollar rasant an Wert.

Aus Sicht der Märkte ist vor allem die politische Unsicherheit in den USA ein zentraler Belastungsfaktor. Die Devisenexpertin der Commerzbank, Thu Lan Nguyen, spricht von einer „unberechenbaren Politik dieser US-Regierung“, die das Vertrauen in die Leitwährung der Welt untergrabe. Sie warnt sogar vor einem möglichen Kipppunkt: Sollte eine kritische Schwelle überschritten werden, könnte der Dollar unkontrolliert weiter abstürzen.

Besonders schwer wiegt der wachsende Druck auf die US-Notenbank Federal Reserve. Der offene Streit um die Zinspolitik und die Einflussnahme der Trump-Administration auf die eigentlich unabhängige Fed verunsichern Investoren weltweit. Die Sorge um die politische Unabhängigkeit der Notenbank führt dazu, dass Anleger ihre Dollar-Positionen massenhaft reduzieren. Damit verliert nicht nur die Währung an Stabilität, sondern auch die Glaubwürdigkeit der US-Geldpolitik insgesamt.

Zusätzlich belasten außen- und innenpolitische Konflikte das Vertrauen in den Dollar. Die Drohung des US-Präsidenten, im Streit um Grönland gleich acht europäischen Staaten mit Strafzöllen zu belegen, wurde an den Finanzmärkten als weiteres Warnsignal aufgenommen. Experten sehen darin einen Beleg, dass Zölle zunehmend als politisches Druckmittel eingesetzt werden – mit unkalkulierbaren Folgen für Handel und Währungen.

Auch innenpolitische Spannungen tragen zur Nervosität bei. Die tödlichen Vorfälle bei Einsätzen der US-Einwanderungsbehörde ICE in Minnesota haben längst die Wirtschaft erreicht. Am Wochenende forderten rund 60 Vorstandschefs großer US-Konzerne, darunter 3M, UnitedHealth und Target, eine Deeskalation und ein Ende der Gewalt. Parallel drohen die Demokraten im US-Senat mit einem erneuten Regierungsstillstand, sollte es keine Einigung über den Haushalt für das zuständige Ministerium geben. Ein weiterer Shutdown würde den Dollar voraussichtlich zusätzlich schwächen.

In Deutschland verfolgen Politik und Wirtschaft diese Entwicklung mit wachsender Sorge. Ein stärkerer Euro verteuert europäische Exporte auf den Weltmärkten – ein empfindlicher Nachteil für die ohnehin angeschlagene Exportwirtschaft. Ähnlich angespannt ist die Lage in Japan: Der Yen hat gegenüber dem Dollar noch stärker zugelegt als der Euro. Die japanische Notenbank brachte deshalb bereits eine mögliche Intervention am Devisenmarkt ins Spiel.

Die Entwicklung zeigt: Der Vertrauensverlust in den Dollar ist längst kein rein finanztechnisches Phänomen mehr. Politische Risiken, institutionelle Zweifel und geopolitische Spannungen drohen, die Stabilität der wichtigsten Weltwährung nachhaltig zu erschüttern.

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