Nach monatelanger Funkstille haben Vertreter der Ukraine und Russlands erstmals wieder direkt miteinander verhandelt. Unter Vermittlung der USA kamen Delegationen beider Kriegsparteien in Abu Dhabi zusammen. Im Mittelpunkt der Gespräche stand ein von Washington vorgelegter Plan für ein mögliches Ende des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Die erste Gesprächsrunde ist nach Angaben des ukrainischen Präsidialamtes abgeschlossen, weitere Treffen sollen folgen.
Der ukrainische Verhandlungsführer Rustem Umerow erklärte, es sei um grundlegende Bedingungen für ein Kriegsende gegangen, Details nannte er jedoch nicht. Präsident Wolodymyr Selenskyj dämpfte die Erwartungen deutlich. Es sei noch viel zu früh für belastbare Schlussfolgerungen, sagte er in einer Videobotschaft. Entscheidend sei, ob Russland tatsächlich bereit sei, den Krieg zu beenden. Die Gespräche sollen heute fortgesetzt werden.
Beobachter reagieren zurückhaltend. ARD-Korrespondentin Gudrun Engel verweist auf den massiven Druck der USA auf beide Seiten. Während Kiew aus strategischen Gründen kaum eine Wahl habe, als Gesprächsbereitschaft zu zeigen, sei Russlands Teilnahme überraschender. Politikwissenschaftler Andreas Umland spricht gar von „diplomatischem Theater“. Moskau gehe es weniger um Frieden als darum, politischen Einfluss in Washington zu sichern. Ein ernsthaftes Interesse an einem Kriegsende sieht er bislang nicht.
Zentraler Streitpunkt bleibt der Donbass. Russland fordert den vollständigen Abzug ukrainischer Truppen aus den noch von Kiew kontrollierten Teilen der Region und macht dies zur Voraussetzung für weitere Fortschritte. Die Ukraine lehnt das kategorisch ab. Für Kiew ist insbesondere das Gebiet um Donezk militärisch entscheidend, um einen weiteren Vormarsch russischer Truppen zu verhindern. Ein US-Vorschlag, den Donbass zu entmilitarisieren und als Freihandelszone zu organisieren, stößt bislang auf Skepsis – auch weil die Region durch jahrelange Kämpfe weitgehend zerstört ist.
Während in Abu Dhabi verhandelt wird, verschärft sich die humanitäre Lage in der Ukraine weiter. Nach erneuten russischen Angriffen auf die Energieinfrastruktur sind Millionen Menschen ohne Strom. In Kiew sind rund 4.000 Gebäude weiterhin ohne Heizung, bei Temperaturen von bis zu minus zwölf Grad. Die EU kündigte zusätzliche Hilfe an und will weitere Notstromaggregate liefern. Russlands Angriffe zielten bewusst auf zivile Versorgungseinrichtungen, kritisierte EU-Krisenkommissarin Hadja Lahbib.
Ob die Gespräche in Abu Dhabi mehr sind als ein diplomatisches Signal, bleibt offen. Die Fronten sind verhärtet – politisch wie militärisch.


