Neue Schutzraum-Standards in Israel

Israel bereitet eine umfassende Verschärfung der Sicherheitsstandards für private Schutzräume in Wohngebäuden vor. Mit verbindlichen neuen Bauvorgaben will der Staat die Widerstandsfähigkeit von Häusern gegen Raketenbeschuss, Explosionen und Beschuss deutlich erhöhen. Die Maßnahmen sind eine direkte Reaktion auf die wiederholten Angriffe auf israelische Städte, bei denen Schutzräume für Millionen Menschen überlebenswichtig waren.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums und des zuständigen Home Front Command sollen die neuen Vorschriften künftig für alle neu errichteten Wohngebäude gelten. Sie definieren detaillierte Anforderungen an Baumaterialien, Wandstärken, Belüftungssysteme und Schutzraumtüren. Ziel ist es, private Schutzräume besser gegen Druckwellen, Splitterwirkung und strukturelle Schäden abzusichern als bisher.

Ein zentraler Punkt der Reform ist die funktionale Aufwertung der Schutzräume. Die Behörden reagieren damit auf Erfahrungen aus jüngsten Konflikten, in denen sich zeigte, dass Menschen teilweise über längere Zeiträume in den Räumen ausharren mussten. Vorgesehen sind unter anderem leistungsfähigere Luftfiltersysteme, stabilere Stromanschlüsse sowie klar festgelegte Mindestgrößen, um längere Aufenthalte unter Notbedingungen zu ermöglichen.

Zu den konkreten Neuerungen gehört ein visuelles Sicherungssystem für Schutzraumtüren. Ein Rot-Grün-Indikator soll künftig eindeutig anzeigen, ob eine Tür korrekt verriegelt ist. Hintergrund sind Fälle, in denen Türen zwar geschlossen, aber nicht vollständig gesichert waren – mit potenziell lebensgefährlichen Folgen bei Explosionen in der Nähe.

Darüber hinaus sollen die Innenwände der Schutzräume stärker ausgeführt werden. Schadensanalysen nach Raketen- und ballistischen Treffern hatten ergeben, dass innere Gebäudewände im Ernstfall ähnlich stark belastet werden können wie Außenwände. Die bisherige Bauweise reichte in manchen Fällen nicht aus, um schwere strukturelle Schäden zu verhindern.

Besonders sensibel ist eine weitere geplante Änderung, die auf Erkenntnisse aus dem Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 zurückgeht. Demnach sind viele Standard-Schutzraumtüren nicht kugelsicher. Schüsse von Angreifern konnten Schutzräume durchdringen und Menschen verletzen. Künftig sollen daher ballistische Türen oder entsprechende Nachrüstungen verpflichtend werden, um das Eindringen von Projektilen zu verhindern.

Die überarbeiteten Standards sollen voraussichtlich im kommenden Jahr in Kraft treten und in die nationalen Bauvorschriften aufgenommen werden. Für bestehende Gebäude sind zunächst keine verpflichtenden Nachrüstungen vorgesehen. Die Behörden empfehlen Eigentümerinnen und Eigentümern jedoch ausdrücklich, ihre Schutzräume freiwillig an die neuen Vorgaben anzupassen.

Israel verfügt bereits seit den 1990er-Jahren über eine besondere Bauvorschrift: den sogenannten „mamad“, einen verstärkten Schutzraum, der in Wohnungen integriert ist. Die nun geplanten Anpassungen markieren jedoch eine neue Stufe der zivilen Verteidigung. Vertreter des Home Front Command betonen, dass moderne, gut ausgebaute Schutzräume ein entscheidender Faktor für das Überleben der Zivilbevölkerung seien. Angesichts anhaltender Bedrohungen sieht die Regierung die Reform als notwendigen Schritt, um das Land besser auf zukünftige Angriffe vorzubereiten.

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