Bund plant mehr staatliche Beteiligungen

Berlin. Die Bundesregierung greift stärker in die Wirtschaft ein und setzt auf massive staatliche Anschubfinanzierung: Mit dem neu geschaffenen „Deutschlandfonds“ will der Bund Investitionen in strategisch wichtige Zukunftsbereiche lenken und zugleich privates Kapital mobilisieren. Das geplante Gesamtvolumen liegt bei rund 30 Milliarden Euro.

Wie die Bundesregierung am Donnerstag in Berlin mitteilte, stellt der Staat dafür öffentliche Mittel sowie umfangreiche Garantien bereit. Die Umsetzung soll über die staatliche Förderbank KfW erfolgen, die Kredite vergibt, Beteiligungen eingeht und Risiken für private Investoren absichert. Ziel ist es, Investitionen dort zu ermöglichen, wo Unternehmen und Kapitalgeber bislang zögern.

Im Mittelpunkt stehen die Energiebranche, die Digitalisierung sowie junge, innovative Unternehmen. Der Fonds ist ausdrücklich als Anschubfinanzierung konzipiert, um zentrale Zukunftsprojekte schneller voranzubringen – insbesondere die Energiewende hin zu einer klimafreundlichen und resilienten Strom- und Wärmeversorgung.

Konkret plant der Bund staatliche Beteiligungen an Rohstoffprojekten, an Wagniskapitalfonds und auch direkte Investments in Start-ups, vor allem aus dem Technologiesektor. Im Energiebereich liegt der Fokus auf dem Ausbau erneuerbarer Energien, moderner Stromnetze, Speichertechnologien sowie auf neuen Lösungen für die Wärmeversorgung.

Ein besonderer Schwerpunkt ist die Geothermie. Für die Nutzung der Erdwärme stellt der Bund Garantien in Höhe von 600 Millionen Euro sowie zusätzliche Haushaltsmittel von 50 Millionen Euro bereit. Das Geld soll unter anderem risikoreiche Bohrprojekte absichern, die bislang häufig an hohen Anfangskosten scheitern. Auch für die Erschließung und das Recycling kritischer Rohstoffe, die für Industrie und Energiewende unverzichtbar sind, sind Mittel vorgesehen.

Darüber hinaus will die Bundesregierung Industrie und Mittelstand gezielt stützen. Investitionen sollen mit Garantien von bis zu acht Milliarden Euro abgesichert werden. Hintergrund ist die zunehmende Verlagerung von Produktionskapazitäten ins Ausland, die zuletzt für wachsende Sorgen in der Wirtschaft gesorgt hat. Der Fonds soll dazu beitragen, Investitionen wieder attraktiver im Inland zu machen.

Auch die Start-up-Szene soll profitieren. Neben klassischen Technologieunternehmen sind Finanzierungen in den Bereichen Biotechnologie sowie Sicherheit und Verteidigung geplant. Der Start-up-Verband begrüßt die Initiative und spricht von einem wichtigen Signal. Nach Angaben des Verbands bestehen in Deutschland weiterhin erhebliche Finanzierungslücken: Während in den USA im Jahr 2024 pro Kopf rund 510 Euro in Start-ups investiert wurden, waren es in Frankreich 108 Euro und in Deutschland lediglich 90 Euro.

Mit dem Deutschlandfonds setzt die Bundesregierung damit auf einen deutlich aktiveren Staat, der gezielt Risiken übernimmt, um private Investitionen auszulösen und die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland zu stärken.

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