Havarie an Öl-Pipeline in der Uckermark

Gramzow/Zehnebeck. In der Uckermark hat sich am Mittwochnachmittag eine schwere Havarie an einer Öl-Pipeline ereignet. Bei Wartungsarbeiten an einer Schieberstation nahe Gramzow/Zehnebeck traten nach ersten Einschätzungen der Feuerwehr mindestens 200.000 Liter Rohöl aus – eine der größten Pipeline-Leckagen der vergangenen Jahre in Brandenburg. Die ausströmende Flüssigkeit schoss mehrere Stunden lang in hohem Bogen aus der rund 40 Zentimeter breiten Leitung, bevor das Leck gegen 19:45 Uhr provisorisch abgedichtet werden konnte.

Nach Angaben von PCK-Geschäftsführer Ralf Schairer kam es während der Vorbereitung eines Sicherheitstests zur Havarie. Die genaue Ursache sei bislang unklar; ein technischer Defekt oder Bedienfehler könne nicht ausgeschlossen werden. Schairer betonte jedoch, es gebe keinerlei Hinweise auf Sabotage. „Nach allem, was wir wissen, handelt es sich um einen tragischen technischen Unfall“, erklärte er.

Die Einsatzlage vor Ort war massiv: Rund 100 Kräfte der Feuerwehr und Gefahrstoffeinheiten sowie etwa 25 Mitarbeitende der PCK-Raffinerie waren im Dauereinsatz, um die ausgetretenen Öl­mengen einzudämmen. Vakuum-Saugfahrzeuge aus Schwedt wurden angefordert, um oberflächliches Rohöl zu entfernen. Experten rechnen damit, dass zusätzlich kontaminierter Boden abgetragen werden muss. Am Donnerstag sollen spezialisierte Umweltteams den Schaden genauer analysieren und das Ausmaß der Bodenverunreinigung kartieren.

Nach ersten Beobachtungen könnte die aufgeweichte Erde durch die jüngsten Regenfälle zumindest Schlimmeres verhindert haben. Da Rohöl leichter als Wasser ist, habe es sich zunächst überwiegend an der Oberfläche gesammelt, erklärte Alexander Trenn von der Feuerwehr Schwedt. Eine tiefreichende Kontamination des Grundwassers sei daher vorerst nicht zu erwarten.

Trotz der massiven Leckage sieht PCK die Raffinerie in Schwedt nicht in ihrer Versorgung gefährdet. Die betroffene Pipeline – eine der beiden Leitungen, die nach Abschaltung der russischen Druschba-Pipeline im Rahmen des EU-Embargos die Rohölversorgung sicherstellen – werde dringend benötigt, so Schairer. Die Lager in Schwedt seien jedoch ausreichend gefüllt: „Die Raffinerie arbeitet regulär weiter.“

Das Brandenburger Umweltministerium sprach in einer ersten Mitteilung von einer „großen Menge“ ausgelaufenen Öls und kündigte umfassende Untersuchungen an. Umweltministerin Hanka Mittelstedt will sich am Donnerstag direkt vor Ort ein Bild von der Lage und den weiteren Sicherungsmaßnahmen machen. Erst danach wird mit belastbaren Angaben zum endgültigen Schadensumfang gerechnet.

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