Traben-Trarbach. Der ehemalige „Cyberbunker“ auf dem Mont Royal bei Traben-Trarbach zählt weiterhin zu den begehrtesten Problemimmobilien Deutschlands. Knapp fünf Jahre nach der spektakulären Räumung des illegal betriebenen Rechenzentrums zieht das unterirdische Komplex erneut enormes Interesse auf sich: Wie das Landesamt für Steuern in Koblenz bestätigt, haben inzwischen 47 potenzielle Käufer ihr Interesse angemeldet – Tendenz steigend.
Die Behörde, die das Areal nach der endgültigen Übernahme durch das Land Rheinland-Pfalz im Jahr 2023 verwertet, spricht von einer „außergewöhnlichen Nachfrage“. Die Besonderheit des Geländes – 13 Hektar, ein weit verzweigtes unterirdisches Bauwerk über fünf Ebenen sowie mehrere überirdische Gebäude – locke Interessenten weit über die Grenzen der Moselregion hinaus an.
Wertgutachten fertig – Preis bleibt unter Verschluss
Mit dem frisch eingetroffenen Wertgutachten ist ein zentraler Schritt im Verkaufsprozess abgeschlossen. Zwar kennt das Land nun den offiziellen Marktwert, doch konkrete Zahlen werden bewusst nicht genannt. Man wolle das Objekt „so neutral wie möglich“ in die Verhandlungen führen. Je größer der Kreis der Interessenten, desto sensibler sei der Umgang mit Preisangaben, heißt es aus Koblenz.
Auch die Bundeswehr meldet sich – aber ohne Eile
Neben zahlreichen Firmen, überwiegend aus der IT- und Sicherheitsbranche, hat auch die Bundeswehr grundsätzlich Interesse am Gelände signalisiert. Ob es zu einer Rückkehr der Truppe kommt, ist jedoch offen. Die Armee schweigt sowohl zu möglichen Nutzungsplänen als auch zur Ernsthaftigkeit ihrer Prüfung. Das Land betont, keinerlei Verkaufsdruck zu verspüren: Vorrang habe ein Konzept, das wirtschaftlich tragfähig sei und zur Region passe.
Spektrum der Ideen reicht von Rechenzentrum bis Eventlocation
Die abgeschirmte Lage und die massive Bausubstanz machen den Bunker insbesondere für Unternehmen interessant, die hochsichere Infrastruktur benötigen. Mehrere Bewerber sollen Konzepte für Rechenzentren oder kritische IT-Architektur vorgelegt haben. Gleichzeitig gibt es unkonventionelle Vorschläge – etwa für Eventflächen oder kulturwirtschaftliche Projekte. Die Spannbreite unterstreicht den besonderen Reiz der Immobilie, deren Geschichte ebenso fasziniert wie belastet.
Vom Darknet-Hotspot zum Zukunftsprojekt
Der Bunker war 2019 zum Symbol internationaler Cyberkriminalität geworden, als Ermittler dort ein großangelegtes Darknet-Hostingzentrum ausheben. Das darauffolgende Gerichtsverfahren entwickelte sich zu einem der umfangreichsten Cybercrime-Prozesse Deutschlands. Nach der Beschlagnahmung durch die Generalstaatsanwaltschaft ging das Areal 2023 endgültig in den Besitz des Landes über.
Doch die Wurzeln reichen tiefer: Jahrzehntelang diente der Standort militärischen Zwecken, zuletzt als Dienststelle des Bundeswehr-Amts für Geoinformationswesen. Seit dessen Abzug 2012 stand das Gelände ohne militärische Nutzung da – bis die Cyberbunker-Affäre ihm neue, unerwünschte Bekanntheit verschaffte.
Ein Gelände am Scheideweg
Ob künftig wieder Server arbeiten, Gäste durch Betonflure wandern oder die Bundeswehr zurückkehrt – all das ist offen. Klar ist nur: Die Verwertung des Cyberbunkers wird eines der spannendsten Immobilienprojekte Rheinland-Pfalz’ bleiben. Und der Wettbewerb um die spektakuläre Liegenschaft dürfte sich weiter zuspitzen.


