Die Lage im Nahen Osten spitzt sich erneut dramatisch zu. Trotz bestehender Waffenruhe intensiviert Israel seine Militärschläge gegen die Hisbollah im Süden des Libanon. Die israelische Armee gab jetzt neue Evakuierungsbefehle für mehrere Dörfer nahe der Grenze heraus und kündigte weitere Angriffe an. Betroffen sind nach Angaben des Militärs zehn Ortschaften, vor allem in der Region Nabatäa. Bewohner wurden aufgefordert, ihre Häuser sofort zu verlassen und sich mindestens 1.000 Meter von den betroffenen Gebieten zu entfernen. Israel begründet das Vorgehen mit fortgesetzten Angriffen der pro-iranischen Hisbollah-Miliz und wirft der Organisation vor, die Waffenruhe systematisch zu brechen.
Netanjahu kündigt härteres Vorgehen gegen Hisbollah an
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu verschärfte den Ton gegenüber der Hisbollah deutlich. Israel befinde sich weiterhin „im Krieg mit der Hisbollah“, erklärte der Regierungschef. Die militärischen Operationen würden nicht reduziert, sondern ausgeweitet. „Wir nehmen den Fuß nicht vom Gas“, sagte Netanjahu. Im Gegenteil werde Israel den Druck weiter erhöhen und die Miliz „hart treffen“. Besonders problematisch seien laut Netanjahu die zunehmenden Drohnenangriffe der Hisbollah auf Nordisrael. Die israelische Armee meldete zuletzt mehrere neue Attacken mit unbemannten Fluggeräten. Zwar gab es dabei nach offiziellen Angaben keine Verletzten, doch Israels Militär sucht offenbar weiterhin nach wirksamen Gegenmaßnahmen gegen die Drohnentechnik der Miliz.
Waffenruhe existiert faktisch nur noch auf dem Papier
Offiziell gilt zwischen Israel und dem Libanon weiterhin eine Waffenruhe. Tatsächlich kommt es jedoch beinahe täglich zu Angriffen auf beiden Seiten der Grenze. Die israelische Armee setzt ihre Luft- und Bodenoperationen im Süden des Libanon fort, während die Hisbollah weiterhin Raketen, Drohnen und andere Angriffe auf israelisches Gebiet startet. Bei den jüngsten Gefechten wurden nach libanesischen Angaben mindestens zwei Menschen getötet. Auch Israels Militär bestätigte den Tod eines Soldaten.
Die Gefahr eines erneuten Flächenkriegs zwischen Israel und der Hisbollah wächst damit von Tag zu Tag.
Libanons Präsident fordert vollständigen Rückzug Israels
Der libanesische Präsident Joseph Aoun kritisierte die israelischen Angriffe scharf und sprach von einer fortgesetzten Belastung für die Bevölkerung im Süden des Landes. Die Angriffe hätten nie aufgehört, erklärte Aoun. Viele Dörfer litten weiterhin unter der israelischen Militärpräsenz und den anhaltenden Kampfhandlungen. Der Libanon werde diese Situation nicht akzeptieren. Ziel bleibe ein vollständiger Rückzug Israels aus den betroffenen Gebieten. Beirut arbeite weiterhin an diplomatischen Lösungen und setze auf Verhandlungen.
Hisbollah ruft offen zum Sturz der Regierung auf
Parallel zur militärischen Eskalation verschärft sich auch die politische Krise im Libanon. Der Generalsekretär der Hisbollah, Naim Kassim, rief die Bevölkerung nun offen zum Sturz der libanesischen Regierung auf. In einer Fernsehansprache warf Kassim der Regierung vor, ein „amerikanisch-israelisches Projekt“ zu unterstützen. Wenn die Regierung nicht in der Lage sei, die nationale Souveränität zu verteidigen, müsse sie abtreten. Die Aussagen gelten als massive Drohung gegen die politische Führung in Beirut.
Hisbollah lehnt Entwaffnung kategorisch ab
Besonders explosiv bleibt die Debatte über eine mögliche Entwaffnung der Hisbollah. Die Miliz machte erneut klar, dass sie ihre Waffen nicht abgeben werde. Kassim erklärte, die Hisbollah werde bewaffnet bleiben, solange der libanesische Staat nicht selbst in der Lage sei, das Land ausreichend zu schützen. Damit stellt sich die Miliz offen gegen internationale Forderungen und gegen die politischen Gespräche zwischen Libanon, Israel und den USA.
Angst vor neuem Bürgerkrieg wächst
Internationale Vermittler versuchen derzeit, eine weitere Eskalation zu verhindern. Seit Mitte April laufen erstmals seit Jahrzehnten direkte politische Gespräche zwischen Israel und dem Libanon unter Vermittlung der USA. Ein zentraler Streitpunkt ist dabei die Entwaffnung der Hisbollah. Die Miliz selbst nimmt jedoch nicht an den Gesprächen teil. Im Libanon wächst deshalb die Angst vor einer inneren Explosion des Konflikts. Viele erinnern an die blutigen Ereignisse vom Mai 2008, als bewaffnete Kämpfer der Hisbollah tagelang gegen Anhänger der Regierung kämpften.
Damals starben Dutzende Menschen. Noch immer sind die Erinnerungen an den libanesischen Bürgerkrieg von 1975 bis 1990 mit Zehntausenden Toten tief im Land verankert.
Naher Osten steht erneut vor gefährlicher Eskalation
Die aktuellen Entwicklungen zeigen, wie instabil die Lage zwischen Israel, Libanon und der Hisbollah inzwischen geworden ist. Militärische Angriffe, politische Drohungen und die Gefahr innerer Unruhen treffen im Libanon aufeinander. Experten warnen, dass bereits ein größerer Zwischenfall ausreichen könnte, um die Region erneut in einen umfassenden Krieg zu stürzen. Während Israel seine Angriffe intensiviert und die Hisbollah ihre Macht demonstriert, wächst die Sorge vor einer neuen Gewaltspirale im Nahen Osten.


