Russland hat die Ukraine mit einer der schwersten Luftoffensiven seit Beginn des Krieges attackiert. In der Nacht heulten im gesamten Land die Sirenen, während hunderte Drohnen und Raketen auf ukrainische Städte niedergingen. Die Angriffe forderten erneut Tote und zahlreiche Verletzte. Besonders betroffen waren die Hauptstadt Kiew sowie mehrere Regionen im Osten, Süden und Westen des Landes. Nach Angaben des ukrainischen Militärs setzte Russland mindestens 675 Drohnen und 56 Raketen ein. Ein Großteil der Flugkörper sei zwar abgefangen worden, dennoch richteten die Attacken massive Schäden an. Die Angriffe dauerten über Stunden an und gehörten laut ukrainischen Behörden zu den längsten Luftangriffen seit Kriegsbeginn.
Wohnhäuser zerstört – Menschen aus Trümmern gerettet
Vor allem in Kiew spielte sich in der Nacht dramatische Szenen ab. Die Militärverwaltung meldete zunächst mindestens einen Todesfall und über 30 Verletzte. Rettungskräfte suchten stundenlang in den Trümmern eines teilweise eingestürzten Wohnhauses nach Verschütteten. Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte, dass zahlreiche Verletzte in Krankenhäuser gebracht worden seien, darunter auch Kinder. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von Schäden an rund 20 Orten allein in der Hauptstadt. Betroffen seien Wohnhäuser, Bildungseinrichtungen sowie wichtige Infrastruktur gewesen.
Angriffe auf Häfen, Bahnlinien und Energieversorgung
Auch außerhalb Kiews meldeten zahlreiche Regionen heftige Einschläge. Besonders schwer getroffen wurden die Gebiete Charkiw, Odessa, Sumy, Saporischschja und Cherson. In der Hafenstadt Odessa richteten sich die Angriffe nach ukrainischen Angaben gezielt gegen Hafenanlagen und Eisenbahninfrastruktur. Die ukrainische Führung geht davon aus, dass Russland mit den Angriffen bewusst die Energieversorgung, Rüstungsbetriebe und staatliche Einrichtungen schwächen will. Ziel sei außerdem, die ukrainische Luftabwehr systematisch zu überlasten.
Mehr als 800 Drohnen binnen eines Tages
Bereits tagsüber hatte Russland ungewöhnlich massive Drohnenangriffe geflogen. Nach Angaben von Präsident Selenskyj wurden innerhalb eines Tages mehr als 800 Drohnen auf die Ukraine abgefeuert. Mindestens sechs Menschen kamen dabei ums Leben, viele weitere wurden verletzt. Selenskyj sprach von gezieltem „Terror gegen die Zivilbevölkerung“ und warf Moskau vor, den Krieg bewusst weiter zu eskalieren. Die Angriffe hätten nahezu das gesamte Land betroffen – von der Hauptstadt Kiew bis zur westukrainischen Stadt Lwiw nahe der polnischen Grenze.
Polen reagiert mit Kampfjets
Die massiven Attacken sorgten auch international für Alarmstimmung. Wegen der Angriffe nahe der NATO-Außengrenze ließ Polen vorsorglich Kampfjets aufsteigen. Der polnische Luftraum sei zwar nicht verletzt worden, dennoch beobachteten Militär und NATO die Lage mit höchster Aufmerksamkeit. Vor allem im Westen der Ukraine wurden kritische Infrastruktur und Industrieanlagen attackiert. In der Region Riwne kamen nach Behördenangaben drei Menschen ums Leben, weitere wurden verletzt. Auch Wohngebäude wurden beschädigt.
Waffenruhe offenbar gescheitert
Die neue Angriffswelle erfolgte nur wenige Tage nach einer kurzen und ohnehin fragilen Waffenruhe zwischen Samstag und Montag. Beobachter sehen darin den Versuch Russlands, den militärischen und politischen Druck vor möglichen neuen Verhandlungen deutlich zu erhöhen. Die von den USA unterstützten Gespräche über ein mögliches Ende des Krieges haben bislang keinen Durchbruch erzielt. Die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten und der Krieg zwischen den USA und Iran haben die diplomatischen Bemühungen zusätzlich erschwert.
Während die Ukraine erneut um ihre Städte und Infrastruktur kämpft, wächst die Sorge vor einer weiteren Eskalation des Krieges – und vor noch heftigeren Angriffswellen in den kommenden Wochen.


