Garching. Nahe München haben unbekannte Täter in der Nacht zu Montag offenbar gezielt die Stromversorgung angegriffen. In den frühen Morgenstunden wurden bei Garching zwei Strommasten in Brand gesetzt. Die Ermittler gehen inzwischen klar von Sabotage aus. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen. Der Vorfall sorgt weit über Bayern hinaus für Aufsehen. Denn erneut geraten kritische Infrastrukturen in Deutschland ins Visier mutmaßlicher Extremisten. Besonders brisant: Durch die Attacke kam es in Teilen von Ismaning zeitweise zu Stromausfällen.
Innenminister Herrmann spricht von gezieltem Angriff
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) reagierte mit deutlichen Worten auf den Vorfall. Die bisherigen Erkenntnisse deuteten „klar auf Sabotage“ hin, erklärte der Minister. Der Staatsschutz ermittle mit Hochdruck. Herrmann sprach von einem „hinterhältigen Brandanschlag“ auf die Energieversorgung. Wer Stromanlagen attackiere, greife nicht nur technische Einrichtungen an, sondern gefährde den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die öffentliche Sicherheit. Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand. Dennoch wächst die Sorge vor weiteren Angriffen auf die kritische Infrastruktur in Deutschland.
Zwei Brände innerhalb kurzer Zeit entdeckt
Nach Angaben des Polizeipräsidiums München wurde zunächst ein brennender Strommast bei Garching gemeldet. Wenig später stand ein weiterer Mast in unmittelbarer Nähe in Flammen. Die Feuerwehr konnte beide Brände zwar schnell löschen, dennoch entstand erheblicher Schaden an der Strominfrastruktur. Wie hoch der Sachschaden tatsächlich ist, konnten die Behörden zunächst noch nicht beziffern. Das Schadensbild spricht laut Ermittlern eindeutig für vorsätzliche Brandstiftung. Eine sofort eingeleitete Fahndung nach den Tätern verlief bislang ohne Erfolg.
Staatsschutz übernimmt die Ermittlungen
Aufgrund der möglichen politischen Motivation wurde der Staatsschutz eingeschaltet. Die Ermittler prüfen nun, ob ein extremistischer Hintergrund vorliegt. In den vergangenen Jahren kam es insbesondere im Raum München immer wieder zu Brandanschlägen auf technische Einrichtungen, Stromanlagen und andere Infrastrukturprojekte. Sicherheitsbehörden ordnen zahlreiche Fälle dem linksextremen Spektrum zu, auch wenn konkrete Täter oft nicht identifiziert werden konnten.
Erinnerungen an große Stromausfälle werden wach
Der aktuelle Anschlag weckt Erinnerungen an frühere Sabotageakte mit massiven Folgen. Bereits im Mai 2021 war es in München zu einem großflächigen Stromausfall gekommen, nachdem in einer Baugrube absichtlich Feuer gelegt worden war. Damals wurden rund 50 Mittelspannungskabel zerstört. Tausende Haushalte und Unternehmen waren betroffen. Die Ermittler gingen auch damals von einem gezielten Angriff auf die Energieversorgung aus. Noch drastischer waren die Folgen eines Brandanschlags in Berlin Anfang Januar 2026. Mutmaßliche Linksextremisten hatten dort eine Kabelbrücke angegriffen. In der Folge kam es zum längsten Stromausfall der Berliner Nachkriegsgeschichte.
100.000 Menschen in Berlin tagelang ohne Strom
Der Berliner Vorfall zeigte, wie verwundbar moderne Städte inzwischen geworden sind. Rund 100.000 Menschen in etwa 45.000 Haushalten waren zeitweise ohne Strom. Mehr als 2.000 Unternehmen waren betroffen. Für viele Bürger bedeutete der Ausfall auch den Verlust von Heizung, Kommunikation und Teilen der Wasserversorgung. Teilweise dauerte es Tage, bis die Energieversorgung vollständig wiederhergestellt werden konnte. Die Ereignisse gelten inzwischen als Warnsignal für Sicherheitsbehörden im gesamten Bundesgebiet.
Bayern verstärkt Schutz kritischer Infrastruktur
Als Reaktion auf die zunehmenden Sabotagefälle hat Bayern seine Sicherheitsmaßnahmen weiter verschärft. Innenminister Herrmann erklärte, die Polizei habe ihre Schutzmaßnahmen nach dem Berliner Anschlag nochmals intensiviert. Zusätzlich sollen sämtliche 96 Kreisverwaltungsbehörden mit mobilen Notstromsystemen für Feuerwehren ausgestattet werden. Ziel sei es, im Ernstfall die Stromversorgung wichtiger Einrichtungen aufrechterhalten zu können. Nach Angaben des Innenministeriums wurden bereits 19 Landkreise und kreisfreie Städte mit entsprechenden Notstromaggregaten ausgestattet.
Sorge vor neuen Angriffen auf Energieversorgung wächst
Die jüngsten Vorfälle zeigen, wie empfindlich kritische Infrastruktur auf gezielte Angriffe reagiert. Experten warnen seit Jahren davor, dass Stromnetze, Kommunikationsleitungen und Versorgungseinrichtungen zunehmend zum Ziel extremistischer Gruppen werden könnten. Der Brandanschlag bei Garching dürfte deshalb die Debatte über den Schutz der Energieversorgung erneut verschärfen. Sicherheitsbehörden befürchten, dass gezielte Sabotageakte künftig häufiger auftreten könnten – mit potenziell gravierenden Folgen für Bevölkerung und Wirtschaft.


