Explosion in ungarischer Chemie-Anlage

Bei einer schweren Explosion in einer Chemie- und Mineralöl-Anlage im ungarischen Tiszaújváros ist mindestens ein Mensch ums Leben gekommen. Mehrere weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Über der Industrieanlage stieg am Freitagmorgen dichter schwarzer Rauch auf, Rettungshubschrauber kreisten über dem Werksgelände. Die Explosion ereignete sich gegen 9 Uhr morgens auf dem Gelände des größten petrochemischen Komplexes Ungarns. Die Ursache des Unglücks ist bislang unklar. Experten und Einsatzkräfte untersuchen derzeit die Hintergründe der Katastrophe.

Explosion beim Wiederanfahren der Anlage

Nach Angaben des Mineralölkonzerns MOL kam es bei Arbeiten zum Wiederanlauf der sogenannten Olefin-1-Anlage zu der folgenschweren Explosion. Der Bereich war zuvor offenbar gewartet worden. Das Unternehmen bestätigte kurz nach dem Unglück, dass dabei ein Brand ausgebrochen sei. Feuerwehrkräfte konnten die Flammen zwar lokalisieren, die Löscharbeiten dauerten jedoch zunächst an. Besonders dramatisch: Nach ersten Informationen soll die Explosion an einer Pyrogas-Ölleitung erfolgt sein. Augenzeugen berichteten von einer heftigen Druckwelle. In Gebäuden nahe der Anlage zerbarsten offenbar Fensterscheiben.

Ein Todesopfer und mehrere Verletzte

Ungarns Ministerpräsident Péter Magyar sprach am Vormittag von mindestens einem Todesopfer und mehreren Schwerverletzten. Er äußerte öffentlich sein Mitgefühl gegenüber den Angehörigen des Verstorbenen. Zunächst war von sieben Menschen mit schweren Verbrennungen die Rede. Später präzisierte Gesundheitsminister Zsolt Hegedűs die Lage. Demnach erlitt eine Person lebensgefährliche Verbrennungen der Atemwege und musste mit einem Rettungshubschrauber in die Universitätsklinik Debrecen gebracht werden. Weitere sieben Menschen wurden mit leichteren Verbrennungen behandelt. Augenzeugen beschrieben chaotische Szenen auf dem Werksgelände. Krankenwagen seien im Minutentakt eingetroffen, mehrere Rettungshubschrauber landeten in der Nähe der Anlage.

Großeinsatz der Feuerwehr in Tiszaújváros

Der ungarische Katastrophenschutz rückte mit zahlreichen Einsatzkräften aus Tiszaújváros und dem nahegelegenen Miskolc an. Die Feuerwehr bekämpfte die Flammen von mehreren Seiten mit Wasserwerfern und Schaumlöschern. Nach Angaben der Behörden konnte der Brand später unter Kontrolle gebracht werden. Der Bürgermeister von Tiszaújváros, György Fülöp, erklärte schließlich, das Feuer sei gelöscht. Gleichzeitig versuchten Experten des Katastrophenschutzes mögliche Gefahrenstoffe in der Umgebung zu messen. Mobile Speziallabore überprüften die Luftqualität rund um die Anlage.

Behörden geben vorerst Entwarnung

Trotz der massiven Rauchentwicklung erklärten die Behörden, dass aktuell keine Gefahr für die Bevölkerung bestehe. Messungen hätten bislang keine erhöhten Konzentrationen gefährlicher Stoffe ergeben. Auch Schutzmaßnahmen für die Einwohner seien nach aktuellem Stand nicht erforderlich. Dennoch sorgten die Bilder der Explosion und die dunklen Rauchwolken in der Region für große Besorgnis.

Größter Chemiekomplex Ungarns betroffen

Die Anlage in Tiszaújváros gehört zur Mol Petrolkémia Zrt., einem Tochterunternehmen des staatlichen ungarischen Ölkonzerns MOL. Der Standort gilt als wichtigstes petrochemisches Zentrum des Landes. Dort werden unter anderem Ethylen und Propylen produziert und zu Kunststoffen wie Polyethylen und Polypropylen weiterverarbeitet. Das betroffene Olefinwerk war erst 2005 in Betrieb genommen worden. Der Unfall wirft nun erneut Fragen zur Sicherheit in großen Chemie- und Raffinerieanlagen auf. Fachleute untersuchen derzeit, wie es trotz Sicherheitsvorkehrungen zu der Explosion kommen konnte.

Ermittlungen zur Ursache laufen

Bislang gibt es keine offiziellen Angaben darüber, wodurch die Explosion ausgelöst wurde. Sowohl der Konzern MOL als auch die Behörden kündigten umfassende Untersuchungen an. Energieminister István Kapitány reiste gemeinsam mit MOL-Chef Zsolt Hernádi zum Unglücksort, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Die Ermittler stehen nun unter Druck, die genaue Ursache des tödlichen Zwischenfalls schnell aufzuklären.

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