Die invasive Ameisenart „Tapinoma magnum“ ist erstmals in Scharbeutz im Kreis Ostholstein nachgewiesen worden – und sorgt bereits jetzt für erheliche Sorgen bei Experten und Behörden. Die aus Nordafrika stammende Art gilt als besonders problematisch, weil sie riesige Kolonien bildet, sich extrem schnell ausbreitet und sogar Straßen, Gehwege sowie Gebäude beschädigen kann. Neben Wedel im Kreis Pinneberg wurde nun auch der Scharbeutzer Ortsteil Wulfsdorf als neuer Fundort bestätigt. Für Schleswig-Holstein ist das ein alarmierendes Signal: Die aggressive Ameisenart breitet sich damit weiter Richtung Norden aus.
Riesige Kolonien unter der Erde
Auf den ersten Blick wirkt „Tapinoma magnum“ harmlos. Die Tiere werden lediglich etwa 2,5 bis 3,5 Millimeter groß und ähneln optisch heimischen Wegameisen. Genau das macht die invasive Art jedoch besonders tückisch: Viele Betroffene erkennen die Gefahr zunächst nicht. Das eigentliche Problem liegt unter der Erde. Dort bilden die sogenannten „Super-Ameisen“ gewaltige Netzwerke mit mehreren Millionen Tieren. Experten sprechen von sogenannten Superkolonien, die sich über Flächen von bis zu einem Hektar ausdehnen können.
Durch ihre enorme Anzahl unterhöhlen die Ameisen Pflasterflächen, Gehwege und Straßen. Zudem dringen sie in Häuser ein, nisten sich in Mauerspalten, unter Terrassen oder sogar in technischen Anlagen ein. In mehreren Regionen Süddeutschlands führten massive Ausbreitungen bereits zu hohen Schäden und aufwendigen Bekämpfungsmaßnahmen.
Ameisenplage in Wulfsdorf offenbar seit Jahren
In Wulfsdorf war das Problem offenbar schon lange bekannt. Bewohner berichten, dass die Ameisenpopulation seit Jahren immer weiter zugenommen habe. Zunächst vermutete jedoch niemand eine invasive Art aus dem Ausland. Erst als sich die Insekten trotz wiederholter Bekämpfungsversuche nicht eindämmen ließen, wurde ein Spezialist hinzugezogen. Die Analyse brachte schließlich Gewissheit: Es handelt sich tatsächlich um „Tapinoma magnum“. Besonders brisant: Ein Schädlingsbekämpfer versuchte bereits mehrfach mit speziellen Mitteln gegen die Kolonie vorzugehen – bislang jedoch ohne dauerhaften Erfolg. Die Sorge wächst deshalb, dass sich die Ameisen möglicherweise längst unbemerkt weiter ausgebreitet haben.
Behörden können kaum eingreifen
Für zusätzliche Kritik sorgt die rechtliche Situation. Obwohl „Tapinoma magnum“ biologisch als invasive Art gilt und bereits massive Probleme verursacht, steht sie bislang nicht auf der EU-Liste invasiver Arten. Dadurch fehlen den Behörden klare Eingriffsmöglichkeiten. Der Kreis Ostholstein erklärte, dass aktuell die Grundstückseigentümer selbst verantwortlich seien. Die Naturschutzbehörden können demnach lediglich beraten und Verdachtsfälle dokumentieren. Nach Angaben des Kreises wurde der Fund Ende 2025 offiziell bestätigt. Seitdem appellieren Behörden an Bürgerinnen und Bürger, aufmerksam zu bleiben und mögliche weitere Vorkommen sofort zu melden.
Einschleppung vermutlich über Pflanzenhandel
Experten gehen davon aus, dass invasive Arten wie „Tapinoma magnum“ häufig unbemerkt über Pflanzenimporte eingeschleppt werden. Besonders Gartenpflanzen aus Baumärkten oder Gartencentern gelten als mögliche Einfallstore. Behörden raten deshalb dazu, Pflanzballen und Erde vor dem Einsetzen sorgfältig zu kontrollieren. Wer verdächtige Insekten entdeckt, sollte diese möglichst in einem geschlossenen Behälter sichern und Fachstellen informieren. Denn bei invasiven Arten gilt vor allem eines: Je früher ein Befall erkannt wird, desto größer sind die Chancen auf eine erfolgreiche Bekämpfung.
Schleswig-Holstein kämpft bereits gegen weitere invasive Arten
Die „Super-Ameise“ ist nicht die erste eingeschleppte Art, die in Ostholstein Probleme verursacht. Bereits seit Jahren kämpfen Behörden gegen invasive Pflanzen wie den Riesenbärenklau oder das Drüsige Springkraut. Auch eingeschleppte Käferarten beschäftigen die Region zunehmend. Experten warnen deshalb davor, dass sich durch Klimawandel und internationalen Warenverkehr künftig noch mehr invasive Tiere und Pflanzen in Deutschland dauerhaft ansiedeln könnten. Scharbeutz’ Bürgermeisterin Bettina Schäfer sieht darin eine langfristige Entwicklung mit weitreichenden Folgen: Viele neue Tierarten würden künftig nicht nur harmlose Veränderungen mit sich bringen, sondern auch ökologische und wirtschaftliche Schäden verursachen.
Warum „Tapinoma magnum“ Experten besonders beunruhigt
Anders als heimische Ameisenarten zeigt „Tapinoma magnum“ ein äußerst aggressives Ausbreitungsverhalten. Die Tiere verdrängen andere Arten, vermehren sich schnell und sind nur schwer vollständig zu bekämpfen. Hinzu kommt ihre enorme Anpassungsfähigkeit. Die Ameisen fühlen sich sowohl in Gärten als auch direkt an Gebäuden wohl. Dadurch entsteht die Gefahr, dass sich die Art dauerhaft in deutschen Siedlungsgebieten etabliert. Für Schleswig-Holstein könnte der Fund in Scharbeutz deshalb erst der Anfang sein.


