Großenkneten/Cloppenburg. Mit einer aufwendig inszenierten Großübung hat die neu gegründete „Überörtliche Unterstützungseinheit Großenkneten“ ihre erste gemeinsame Bewährungsprobe absolviert. Am Abend des 6. Mai trainierten rund 35 Einsatzkräfte komplexe Katastrophenszenarien gemeinsam mit Feuerwehrkräften aus dem Landkreis Cloppenburg. Die Übung galt als wichtiger Härtetest für die neue Spezialeinheit, die künftig bei Großschadenslagen im gesamten Landkreis eingesetzt werden soll.
Die Besonderheit: Die Einsatzkräfte kannten die konkreten Szenarien vorab nicht. Ziel war es, möglichst realistische Bedingungen zu schaffen und spontane Entscheidungen unter Einsatzstress zu trainieren.
Alarmierung zu angenommenem Zugunglück
Treffpunkt war am frühen Abend das Feuerwehrhaus in Ahlhorn. Dort sammelten sich die fünf Fahrzeuge der neuen Unterstützungseinheit. Jede Ortsfeuerwehr der Gemeinde Großenkneten stellte dafür ein Großfahrzeug, ergänzt durch ein Führungsfahrzeug der Feuerwehr Großenkneten. Per Funk erhielten die Kräfte zunächst die Meldung über ein schweres Zugunglück im Bereich des Bahnhofs Cloppenburg. Weitere Informationen gab es zunächst nicht. Unter Einsatzbedingungen setzte sich der Verband geschlossen in Bewegung.
Erst während der Fahrt wurde der tatsächliche Übungsort bekanntgegeben: das Trainingsgelände „Areal 51“ der Kreisfeuerwehr Cloppenburg.
Menschenrettung aus Doppelstockwagen
Auf dem Gelände wartete eine anspruchsvolle Lage auf die Feuerwehrkräfte. In einem ausrangierten Doppelstock-Personenwagen mussten mehrere Verletzte gerettet werden. Über den gesamten Waggon verteilt lagen Übungspuppen, die unter realitätsnahen Bedingungen aus engen Abteilen geborgen werden mussten.
Besonders schwierig gestaltete sich die Rettung einer eingeklemmten Person unter dem Zugwagen. Hier war äußerste Vorsicht gefragt, um die simulierten Verletzungen nicht weiter zu verschlimmern. Parallel bauten weitere Kräfte einen dreifachen Löschangriff auf, um den Brandschutz an der Einsatzstelle sicherzustellen. Die Übung verlangte präzise Koordination, Kommunikation und schnelles taktisches Handeln.
Atemschutznotfall im Keller simuliert
Nach einer kurzen Auswertung folgte unmittelbar das nächste Szenario: ein Wohnungsbrand mit mehreren vermissten Personen. Die Feuerwehr Cloppenburg befand sich bereits im angenommenen Einsatz, als die Unterstützungseinheit zur Verstärkung alarmiert wurde. Während der Menschenrettung eskalierte die Lage weiter. Ein Atemschutztrupp verunglückte im Kellergeschoss. Sofort musste ein Sicherheitstrupp zur Rettung der eigenen Einsatzkräfte in das Gebäude geschickt werden.
Die Übung wurde zusätzlich erschwert, weil sämtliche Atemschutzgeräteträger ohne Sicht arbeiten mussten. Vor dem Betreten des Gebäudes wurden ihre Masken mit Folie abgeklebt, um eine Nullsicht-Situation wie in echten Bränden zu simulieren. Damit trainierten die Feuerwehrleute eines der gefährlichsten Szenarien überhaupt: die Rettung eigener Kameraden unter lebensgefährlichen Bedingungen.
Großschadenslagen rücken stärker in den Fokus
Die neue Unterstützungseinheit ist Teil eines umfassenden Konzepts für außergewöhnliche Einsatzlagen im Landkreis Oldenburg. Hintergrund sind unter anderem Erfahrungen aus vergangenen Großbränden sowie Planungen für besonders sensible Industrie- und Logistikstandorte in der Region. Insbesondere der Schrottplatzbrand in Munderloh zeigte laut Feuerwehr, wie wichtig schnell verfügbare, überörtliche Spezialkräfte sind. Deshalb verfügen inzwischen alle Gemeindefeuerwehren im Landkreis über entsprechende erweiterte Löschzüge.
Die Einheiten können bei Großbränden, Gefahrgutlagen oder anderen Katastrophenszenarien gezielt alarmiert werden.
Konzept stößt überregional auf Interesse
Das Modell der „Überörtlichen Unterstützungseinheiten“ sorgt inzwischen auch außerhalb des Landkreises für Aufmerksamkeit. Nach Angaben der Feuerwehr prüfen mittlerweile weitere Kommunen im Bereich der Großleitstelle Oldenburger Land ähnliche Konzepte. Die erfolgreiche Premiere der Großenkneter Einheit gilt deshalb auch als wichtiger Testlauf für zukünftige Strukturen im Katastrophenschutz.
Feuerwehr setzt auf intensive Zusammenarbeit
Geleitet wurde die Übung von Cloppenburgs Stadtbrandmeister Horst Lade. Die Organisatoren zeigten sich nach Abschluss mit dem Ablauf zufrieden. Besonders hervorgehoben wurde die enge Zusammenarbeit zwischen den Feuerwehren beider Landkreise. Nach mehreren Stunden unter hoher Belastung endete die Übung schließlich in kameradschaftlicher Atmosphäre. Bei Grillwurst und Getränken ließen die Einsatzkräfte den Abend gemeinsam ausklingen, bevor sie in ihre Feuerwehrhäuser zurückkehrten.


