Pjöngjang. Nordkorea verschärft seine Atomstrategie drastisch und sendet damit ein neues Drohsignal an die internationale Gemeinschaft. Diktator Kim Jong-un hat offenbar eine Verfassungsänderung durchgesetzt, die das Militär zu einem automatischen nuklearen Gegenschlag verpflichtet – falls die Führung des Landes angegriffen oder handlungsunfähig gemacht wird.
Nach Berichten aus Südkorea und Großbritannien soll die Änderung bereits im März in Pjöngjang beschlossen worden sein. Besonders brisant: Das neue Gesetz sieht vor, dass ein Atomschlag „automatisch und unverzüglich“ ausgelöst wird, sobald das Führungs- und Kontrollsystem der nordkoreanischen Nuklearstreitkräfte durch feindliche Angriffe bedroht wird.
Damit institutionalisiert Nordkorea erstmals offiziell ein automatisiertes Vergeltungsszenario mit Atomwaffen.
Angst vor Enthauptungsschlägen wächst
Internationale Beobachter sehen hinter der neuen Doktrin vor allem die Angst des Regimes vor sogenannten „Enthauptungsschlägen“ gegen die politische und militärische Führung. Hintergrund könnten jüngste Entwicklungen im Nahen Osten sein.
Der Historiker und Korea-Experte Andrei Lankov erklärte laut Medienberichten, Nordkorea habe genau beobachtet, wie effizient moderne Militärschläge gegen Führungspersonen funktionieren könnten. Besonders die Tötung hochrangiger iranischer Funktionäre habe in Pjöngjang offenbar Alarm ausgelöst.
Die Botschaft des Regimes ist eindeutig: Selbst wenn die Staatsführung ausgeschaltet wird, soll ein nuklearer Gegenschlag garantiert bleiben.
Kim stärkt seine absolute Machtstellung
Mit der Verfassungsänderung festigt Kim Jong-un zugleich seine eigene Position im Machtapparat. Der Machthaber wird nun offiziell als oberstes Staatsoberhaupt mit alleiniger Befehlsgewalt über die Atomstreitkräfte definiert. Bislang war seine Rolle in der Verfassung deutlich allgemeiner formuliert. Nun wird seine direkte Kontrolle über Nordkoreas nukleares Arsenal ausdrücklich festgeschrieben. Experten sehen darin einen weiteren Schritt zur vollständigen Militarisierung des Staates und zur persönlichen Machtabsicherung Kims.
Wiedervereinigung mit Südkorea rückt in weite Ferne
Parallel dazu entfernt sich Nordkorea auch ideologisch weiter von Südkorea. Berichten zufolge wurden Passagen zur möglichen Wiedervereinigung beider Staaten aus der Verfassung gestrichen. Damit verabschiedet sich Pjöngjang zunehmend von jahrzehntelangen politischen Formulierungen, die zumindest theoretisch eine gemeinsame koreanische Zukunft offenließen. Statt Annäherung setzt das Regime nun offen auf Abschreckung, Konfrontation und militärische Stärke.
Nordkorea bleibt eine der gefährlichsten Atommächte der Welt
Geheimdienste westlicher Staaten gehen davon aus, dass Nordkorea mittlerweile über rund 60 nukleare Sprengköpfe verfügen könnte. Hinzu kommen große Mengen hochangereicherten Urans, die den weiteren Ausbau des Atomprogramms ermöglichen. Die neue Verfassungsregelung dürfte die Spannungen in Ostasien zusätzlich verschärfen. Vor allem South Korea, Japan und die United States beobachten die Entwicklung mit großer Sorge.
Sicherheitsexperten warnen, dass automatisierte Vergeltungsmechanismen das Risiko einer unkontrollierbaren Eskalation erheblich erhöhen könnten – insbesondere in Krisensituationen mit Kommunikationsausfällen oder Fehlinterpretationen militärischer Aktivitäten.


